Man nehme sieben verwirrte Erwachsene, gebe ihnen zwei Autos und setze sie weit weg von ihrem zu Hause in Südafrika aus…
Es war mal wieder soweit. Eine der legendären Tom und Duke Parties stand kurz bevor und da durfte man natürlich unter keinen Umständen fehlen. Tom und Duke, das sind 2 farbige südafrikanische Studenten, die einfach wissen, wie man feiert. Nicht umsonst sagt man, dass die farbigen den Rhythmus im Blut haben. Jedenfalls mieten die beiden ca. einmal im Monat irgendwo eine Wohnung an um ca. 250 Leute einzuladen und ordentlich einen draufzumachen. Da wir da ja auf keinen Fall fehlen durften haben wir (eine gemischte Truppe aus Südafrikanern und Deutschen) uns überlegt, dass es doch nett wäre vorher noch bei irgendwem von uns ein wenig vorzuglühen. Gesagt getan. Soweit war ja auch noch alles in Ordnung und nicht anders als in Hamburg oder sonst irgendeiner Großstadt in der Welt. Naja irgendwann sind wir dann endlich aufgebrochen. Mein Auto war rappelvoll mit 5 Leuten um natürlich noch einen kurzen Abstecher zu Mc Donalds zu machen. (Mein Auto war nur so voll, weil ich ein Radio hatte) In das andere “Auto”, ein alter VW Käfer, haben sich nur 2 reingetraut und wollten schon einmal vorfahren. Wir stehen also bei Mc Donalds in der Schlange am Drive in, vor uns ca 15 Autos und auch ein paar Leute ohne Autos und überlegen gerade ob es Sinn macht sich um halb 12 in die Schlange zu stellen und 2 Stunden auf nen Burger zu warten, als das Handy klingelt. Die 2 Käferaffinen waren dran um uns zu informieren, dass sie auf der Mainroad in Woodstock ständen, weil während der Fahrt das Lenkradschloss eingerastet sei und nun nicht mehr rausgehen wolle. Haha, sollen die doch im Kreis fahren An dieser Stelle sollte ich wohl erwähnen dass Woodstock nachts kein angebrachter Aufenthaltsort für hellhäutige Menschen ist. Naja aber wir sind ja nicht so, haben also die leckeren Burger Burger sein lassen und sind zur nächsten Tankstelle gefahren um noch ein wenig Wegzehrung zu besorgen. Wenigsten waren wir nun gut versorgt mit Wein und Chips und sollte uns irgendjemand etwas antun, waren die letzten Minuten zumindest schön. Nun hieß es warten auf den Beatle 24 Stunden Service, damit wir endlich zu dieser Party kommen. Tja, aber wir sind ja nun einmal in Südafrika und Capetown heißt ja nicht umsonst Mothercity (weil alles hier bis zu 9 Monate dauern kann). Kurzerhand haben wir also die Bushaltestelle zu unserer Partyzone gemacht. Da standen wir also, 7 Leutchen mit Wein und Chips auf der Straße, hab ich eigentlich schon erwähnt, dass der öffentliche Konsum von Alkohol in Südafrika verboten ist? Zu guter letzt sind wir doch noch allesamt heile auf der besagten Party angekommen, mit dem kleinen Haken, dass ich eigentlich gleich wieder gehen musste, da am nächsten Tag Frühaufstehen und Arbeiten auf dem Programm stand. Aber was soll`s die nächste kommt bestimmt und wenn nicht können wir ja mal wieder ne Busstopparty dazwischen schieben…
Auch das Essen in fremden Regionen will gelernt sein. Ich dachte mir, ich fange mal mit Etwas einfachem an, da kann man nicht viel falsch machen und fällt mit seinen Tischmahrnieren nicht so auf. Tja, das war wohl nichts! Ich bin also zu Nandos, einem sehr lekkeren, portugiesischen Chickenfastfoodrestaurant gefahren um mir eins der Chickenwraps zu genehmigen. Da es ja nun mal eine Fastfoodkette ist, dachte ich, ich versuche mal mich etwas zu beeilen und bin dann auch mit meinen ChickenWrap aus dem Laden gestürmt. Leider habe ich den Hubel, der im Bürgersteig war, übersehen und mich der Länge nach auf den selbigen gelegt. Meine ersten Essversuche waren dadurch eher eine sehr schmerzhafte und echt peinliche Erfahrung. Im Auto angekommen und auch das bereits angeschwollene Knie gut verstaut, habe ich dann mein zermatschtes Chickenwrap ausgepackt und wollte es essen. Leider ist es so auseinander gefallen, dass sich alles über meine Hose und meinen Jackenärmel verteilt hat, ich hab noch 5 Minuten später die Hähnchenstückchen aus meinem Ärmel fallen sehen. Aber geschmeckt hat es, wie immer, lekker und da es sowieso schon dunkel war und mich in Kapstadt fast Niemand kennt, waren auch die Flecken in den Klamotten recht schnell verdrängt.
Immer einen Ausflug wert ist auch der größte Vogelpark Südafrikas in Hout Bay. Dort fühlen sich nicht nur die Tiere wohl, sondern auch wir haben uns gleich sehr heimisch gefühlt. Das tolle an dem Park ist allerdings das begehbare Affengehege, ja in einem Vogelpark gibt es auch Affen und andere Tiere. Jedenfalls konnte man in diesem Gehege direkt mit den Affen „spielen“, die dann angekommen und auf einem rum gesprungen sind. Man, sind die neugierig. Alle männlichen Besucher, die eine Hemdtasche hatten wurden erstmal eingehen inspiziert. Begeistern konnte man die kleinen Viecher am besten mit kleinen Steinen in der Hemdtasche. Sobald etwas klappert oder raschelt kommen die auf die Schulter gehüpft und kramen mit ihren kleinen Händchen in der Tasche rum. Auch ganz groß im Rennen sind Perlenarmbänder an denen rumgezerrt werden kann. Immer auf der Suche nach Futter die lieben Kleinen. Da zeigt sich wieder wie verwandt der Mensch doch mit dem Affen ist, oder zumindest der Mann. Außerdem gibt es dort noch ein Stachelschwein, das sind vielleicht niedliche Tiere! Sehen ein bisschen aus wie ein zu groß geratener Seeigel mit braunen und weißen Tupfen. Ich frage mich wie man einem so putzigen Tierchen den Namen „Schwein“ geben kann.
In der Nähe Kapstadts befindet sich das bekannte Kap der guten Hoffnung. Trotz Hamburger Wetter, es hat in Strömen geregnet, haben wir uns zusammengerissen und sind ans Kap gefahren. Leider waren wir klitschnass und sehen konnten wir auch kaum etwas. Zumindest die Aussicht war einfach nur schlecht. Ein paar hart gesottene Affen haben wir getroffen. Doch nicht nur landschaftlich hat Kapstadt so Einiges zu bieten. Unter Anderem gibt es hier auch das größte Frauenparadies Afrikas. Eine riesige Shoppingmall, namens Canalwalk. Das war totale Reizüberflutung. Wir waren nur 3 Stunden dort und haben, glaub ich, nicht mal die Hälfte gesehen. Die ist so riesig und man kann dort 12 Stunden am Tag shoppen gehen, ich werde das wohl mal testen bei schlechtem Wetter.Die haben sogar so eine Food- und Gameautomatenarea direkt nebeneinander. In diesen Bereichen blinkt und leuchtet es an jeder Ecke, ein bisschen wie in Las Vegas. Wir haben dann beschlossen, dass das der Bereich sein muss, wo man die Männer abgibt, ihnen Kleingeld da lässt und die Kreditkarte wegnimmt und sie dann nach 12 Stunden dort wieder abholt, damit sie einem die Taschen zum Auto tragen. Wieso gibt es denn so was in Deutschland nicht, hier muss man die Armen immer im Kinderparadies abgeben, wo sie sich sinnlos Plastikbälle an den Kopf werfen können. Und mal ganz ehrlich, Spielautomaten sind wohl spannender als bunte Plastikbälle.
Nun aber endlich mal zu der schönsten Stadt, die ich je gesehen habe. Zuerst habe ich mir mal ganz touristisch die Waterfront, also das Hafengebiet, angeschaut. Dort gibt es sogar einen Paulaner Biergarten. Ganz schön erschreckend wie weit die Deutschen ihre „Spezialitäten“ so bringen. Mal ganz zu schweigen von dem Stück Berliner Mauer, das da mal eben so rumsteht. Außerdem gibt es in Kapstadt den Signal Hill. Immer eine Reise wert! Man, was für eine Aussicht! Auf der einen Seite Kapstadt und auf der anderen das Meer und die kleine, ehemalige Gefängnisinsel Robben Island, auf der auch Nelson Mandela eingesessen hat, im Sonnenuntergang. Doch auch das lässt sich noch toppen. Direkt neben dem Signal Hill befindet sich der Lionshead. Zwar nicht mit dem Auto befahrbar aber dafür auch zu Fuß gut zu erklimmen, ist dieser Berg seinen Aufstieg und jede Bemühungen wert. Es hat mich zwar eine Menge Schweiß gekostet ihn zu erklimmen, der Weg ist teilweise so steil, dass man an Eisenketten die Felswände hochklettern muss, aber die Aussicht war ein Traum. Zuerst sieht man über Robben Island die Sonne untergehen und dann über der Stadt den fast vollen Mond aufgehen. Nicht zu vergessen auch die Wolkendecken, das bekannte Tischtuch, die den Tafelberg einhüllt. Und wem das nicht genug ist, der kann seine Beine von einem der zwei etwas abstehenden Felsen in der freien Luft, einige Meter über Seapoint baumeln lassen.
Bis ich jedoch mein kleines geliebtes Auto endlich in meiner Obhut hatte, war ich schon um einige Nerven ärmer. So habe ich ca. 15 Leute aus der Zeitung angerufen, um ein Auto zu kaufen. Was man da so erlebt! Einer hat mich einfach nur schallend ausgelacht, bis ich aufgelegt habe und ein andere wollte mich die ganze Zeit auf einen Kaffee einladen und wissen ob ich verheiratet bin. Nach einigen weiteren holprigen Telefonaten war ich dann doch endlich so weit, dass ich mir ein Auto anschauen konnte. Allerdings ist mir bei diesem exklusiven Model gleich die ganze Fahrertür entgegengekommen. Unfallauto! Also nichts für mich. Zu guter letzt habe ich meinen kleinen treuen Begleiter dann ganz herkömmlich bei einem Autohändler entdeckt und man glaubt es kaum aber seit heute cruise ich auf meinen eigenen 4 Rädern durch Cape Town. Wobei das Wort cruisen wohl doch etwas zu hoch gegriffen ist. Genauer gesagt mache ich immer wenn ich Blinken möchte den Scheibenwischer an und anstatt zu schalten haue ich jedes Mal versehentlich gegen die Fahrertür. Das beste is, wenn ich auf der Autobahn statt dem fünften Gang mal wieder den ersten erwische, was für ein Sound….aber auch das Linksfahren kann man lernen, auch wenn’s nicht immer ganz schmerzfrei ist.
Der Flug von Frankfurt nach Kapstadt dauert ca 11,5 Stunden, das war für meinen Geschmack eigentlich viel zu lang und viel zu langweilig. Dennoch hat sich jede einzelne Sekunde, die ich auf dem mittleren Platz im Mittelgang zwischen viel zu breiten Menschen verbringen „durfte“ gelohnt! Kaum bin ich in Südafrika gelandet, habe ich auch gleich den ersten B-Promi entdeckt. Alida, die ehemalige Big Brother Gewinnerin muss wohl mit mir im Flugzeug gesessen haben. Aber das tut hier ja eigentlich auch nichts zur Sache! Kaum bin ich angekommen und herzlich begrüßt worden, habe ich auch gleich gezeigt, dass ich ein blöder Tourist bin. Ich wollte natürlich schnurstracks auf der Fahrerseite meines Abholautos einsteigen, tjaja so was passiert im Linksverkehr ganz schnell mal. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht wie schön es wird, wirklich selbst auf der „falschen“ Straßenseite zu fahren. Doch das herauszufinden sollte nicht lange auf sich warten lassen. So durfte ich mich also kurze Zeit später stolze Besitzerin eines Autos nennen. Natürlich hatte ich, so wie ca. jede zweite Südafrikaner auch, einen weißen VW Chico, der mit mir noch so Einiges erleben sollte. Doch bis es soweit war, konnte ich auch als Fußgänger schon mal die ein oder andere Tücken des Linksverkehrs testen. Ups, wo kam denn der Bus her? Mist, schon wieder in die falsche Richtung geguckt beim Straßeüberqueren.